Ganzi

und Nordwest Sichuan


Chinesisches Mid-Autumn Fest. Eine kurze Reise nach Ganzi im Nordwesten von Sichuan zusammen mit Verena, einer Kollegin aus Nanjing. Der Trip begann in Chengdu.  


Tag 1: Bus

Die Busfahrt von Chengdu nach Ma'erkang (Zwischenstop) sollte planmässig nur rund acht Stunden dauern, am Ende wurden daraus 12 Stunden. Die Route führte duch Wenchuan, das Epizentrum des Erdbebens im Jahr 2008. Die Stadt wirkte wie neu, nur ein paar komplett zerstörte Brücken und Häuser auf dem Weg erinnerten an das Erdbeben. Die Strasse war allerdings eine einzige Katastrophe, und zwar die gesammte Strecke von kurz hinter Chengdu bis nach Ma'erkang. Erst vor ein paar Wochen wurde die Strasse überhaupt erst wieder eröffnet, aber immer noch besteht diese fast nur aus Geröll und Steinen. Völlig durchgerüttelt kamen wir dann gegen 19 Uhr endlich an.

Entschädigt für das Gerumpel wurden man unterwegs durch die sehr schöne Landschaft.  Hier bei einem kurzen Halt aufgrund eines Staus. Da diese Strasse die einzige ist, von der aus man direkt in die nördlichen Regionen von Sichuan gelangt, waren hier auch viele Laster unterwegs.  


Tag 2: Ma'erkang

Am zweiten Tag haben wir uns nach der langen Busfahrt vom Vortag in Ma'erkang niedergelassen, einem Zwischenstop auf dem Weg nach Ganzi. Hier konnten wir netterweise in der Wohnung von Bekannten von Verena übernachten (Bild).

Ma'erkang ist eine Kleinstadt und liegt in einem langen Tal, eingequetscht zwischen den Bergen. Die Stadt hat immer noch einen recht starken 'Han-Flair', aber ca. 60% der Leute hier sind Tibeter oder Hui-Chinesen.

Am nächsten Morgen haben wir uns von einem Taxi den Berg hochfahren lassen. Die terpentinenartige Nudelstrasse ist der Fahrer mit einer affenartigen Geschwindigkeit hochgerast. Nichts für schwache Nerven.

Juhuuuu!!!

Ein paar Eindrücke von der Stadt.

Schöne Häuser und ein Kloster.

Sobald man aus Chengdu raus ist, erreicht man das tibetische Hochplateau. Das kulturelle Tibet erstreckt sich neben der Provinz Tibet auch auf Teile der Provinzen Yunnan, Sichuan, Qinghai, und Gansu. Einige der bedeutensten tibetischen Klöster liegen z.B. nicht in der Provinz Tibet. Insofern kann man auch tibetische Kultur erleben, ohne in die eigentliche Provinz Tibet zu fahren. Der Vorteil ist sogar, dass das Reisen in diesen Regionen sehr viel leichter ist, da man sich fast überall frei bewegen kann, was in Tibet nicht (mehr) der Fall ist. Und billiger ist es auch.    

 

Tibetische Gebetsflaggen.

In Ma'erkank treffen sich jeden Abend viele Menschen auf einem Schulhof in der Mitte der Stadt und tanzen hier gemeinsam zu buddhistischer Musik. Das besondere war die Mischung aus nicht nur ganz jung und ganz alt, sondern auch die Tatsache, dass die verschiedenen Minoritäten hier zusammenkamen und gemeinsam mit den Han- Chinesen getanzt haben, was den Eindruck von echter und seltener Harmonie vermittelte.  


Tag 3: Busfahrt

Am dritten Tag unseres Ausfluges ging es dann mit zweimaligem Umsteigen und verschiedenen Bussen weiter in Richtung Westen. Die Fahrtdauer an diesem Tag betrug 11 Stunden. Die Strassen waren allerdings besser als am ersten Tag.

 

In dem Bus sassen ausser uns nur noch ein paar tibetische Mönche. Sobald sich der Bus in Bewegung gesetzt hatte, begonnen diese dann auch ganz schnell mit ihrem (murmelnden) rezitieren von buddhistischen Mantras. Ommmmm.... 


Mein tibetischer Freund
Mein tibetischer Freund

Der Mönch mit der Satellitenschüssel. Bereits vor der Abfahrt hatte ich mich gewundert, warum dieser Tibeter mit einer Satellitenschüssel, die er die ganze Zeit auf seinem Schoss liegen hatte, durch die Gegend fuhr. Auf meine Frage hin antwortete er mir mit einem verschmitzten Lächeln: Zhongguo de dianshi bu haokan, was soviel heisst wie: Chinesisches Fernsehen ist nicht gut, was wiederum soviel heisst wie: ich habe keinen Bock auf die chinesische Staatspropaganda, sondern will lieber ausländisches Fernsehen empfangen (wohl besonders auch aus Indien - Dalai Lama). Sehr lustig. Und er hat uns auch auf dem Weg ein paar von seinen leckeren Kecksen angeboten, was auch sehr nett war.

Ein Blick aus einem der kleineren Busse auf einem Zwischenteil der Strecke. An diesem Tag fuhren wir nur durch reine Natur. Gelegentlich bekamen wir ein paar kleienere Häuser am Wegrand zu sehen oder Lehmhütten, und natürliche viele Yaks und andere wilde Tiere.

Die Provinz Sichuan ist um ein Vielfaches grösser als Deutschland, zum grossen Teil aber völlig unbewohnt und unberührt. Hier bekommt man ein gutes Gespür für die Weite, vor allem wenn man sich auf der Landkarte ansieht, was man alles nicht gesehen hat!

So sehr es in den meisten Teilen China einen Überschuss an Menschen gibt, so gibt es hier ein Überschuss an Natur: Wiesen, Berger, Gletscher, Täler, Flüsse so weit das Auge reicht. Und ein blauer Himmel, wie man ihn aus China sonst nicht kennt.

Auch den Höhenunterschied bekommt man früher oder später zu spüren - wenn auch nur in sehr leichter Form - bei etwa 2500 bis 3500 Höhenmetern. 


Tag 4 und 5: Ganzi

Das Ziel unserer Reise, die Stadt Ganzi, auf Tibetisch Garze, gelegen in der gleichnamigen Region Garze Tibetan Autonomous Prefecture. Wieviele Einwohner die Stadt hat konnte ich nicht in Erfahrung bringen, aber rund 80% der Menschen hier sind Tibeter. Die Stadt hat einen tibetischen Kern, direkt unter dem Kloster (im Bild oben gut zu erkennen) und einen etwas modernerern und neueren Teil, der eher Han-Chinesisch geprägt ist. Im Bild unten: die einzige grössere Strasse in Ganzi. Die Berge stets im Hintergrund. Die Stadt hat einen gewissen Wild-West Charakter.  

Ein kleiner Fluss, der durch die Stadt fliesst.

Postkartenpanorama: in dieser Region muss man kein besonders guter Photograph sein, um auch solch tolle Photos machen zu können. Die Motive springen einem regelrecht in die Kamera. 

Wow!

Auch ein sehr gelungenes Bild.

Uns begegneten immer wieder Kinder, die sich gerne photographieren liessen.

Das schönste Kloster war diese hier. In einem recht abgelegenen Teil auf einem Berg gelegen und nur von sehr wenigen Leuten bewohnt, hatte dieser Ort etwas mysteriöses.

Auch immer irgendwie präsent - Bilder des Dalai Lamas. Oft stehen seine Portraits in irgendwelchen Ecken und können auch leicht eingepackt und versteckt werden.

In diesem Kloster sollen - laut Lonely Planet - bis 2008 noch rund 1000 Mönche gelebt haben. Heute, nach den Unruhen in Lhasa, sind es noch 300. Die anderen sind nach Indien ausgewandert.


Gleich neben dem Kloster liegt eine Polizeistation. Wahrscheinlich ist es auch hier vor zwei Jahren zu Unruhen gekommen? Auf der Mauer steht der allgegenwärtige Slogan harmonus society.

Die Wohnquartiere waren wie ausgestorben. Hier müssen einmal mehrere hunderte Mönche gelebt haben.

Muhhhhhhhhhhh

Sonnenuntergang Part 1 - ein Gletscher im Hintergrund.

Sonnenuntergang Part 2