Xishuangbanna

Flucht in die Wärme


Yunnan liegt im Süden China's und ist mit einer Fläche von 394 km die achtgrösste Provinz im Land (und in etwa so gross wie Deutschland und Holland). Yunnan grenzt im Süden an die Staaten Vietnam, Laos und Myanmar (Burma) und im Norden und Nordwesten an die Provinzen Tibet, Sichuan, Guizhou und Guanxi.


Xishuanbanna Dai Autonomous Prefecture

Yunnan ist die Provinz mit der höchsten ethnischen Diversität und etwa 38% der Bevölkerung von Yunnan gehört ethnischen Minderheiten an. Die Region Xishuanbanna (auch oft nur durch 'Banna' abgekürzt) liegt im südlichsten Teil der Provinz und trägt den offiziellen Namen 'Xishuangbanna Dai Autononous Prefecture' und ist, wie der Name schon sagt, eine 'autonome' Region der ethnischen Minorität der Dai. Nur etwa 30% der Menschen in Xishuangbanna sind Han-Chinesen. Der für China recht ungewöhnliche Name Xishuanbanna leitet sich aus der Dai-Bezeichnung 'Sipsongpanna' ab und wurde phonetische nachgebildet.


Mini-Thailand im Süden China's

Xishuangbanna ist ein beliebtes Reiseziel in China. Chinesen aus dem Norden des Landes können hier eine Kultur erleben, die so ganz anders ist als ihre eigene. Xishuangbanna ist eine Region mit sehr starkem süd-ostasiatischem Flair. Die Gerüche, die Vegetation, die Menschen und die Architektur lassen einen eher vermuten in Thailand oder Laos zu sein, aber nicht mehr in China.


Das Klima in Xishuangbanna ist feucht und subtropisch und die Vegetation besteht zum grossen Teil aus tropischem Regenwald. Die Sonne scheint das ganze Jahr über und auch im Winter liegen die Temperaturen selten unter 20 Grad. Ein ideales Reiseziel also, um der Kälte in den anderen Landesteilen zu entfliehen und ein warmes Frühlingsfest zu verbringen.


Die Anreise: von Kunming nach Jinhong

In der Wartehalle des Busbahnhofs in Kunming. Da meine Abfahrt noch drei Tage vor dem Frühlingfest lag, hielt sich der Ansturm noch in Grenzen und ein Ticket liess sich leicht ergattern.  


Die Busfahrt von Kunming nach Jinghong, dem administrativen Zentrum Xishuangbanna's (man könnte wohl auch sagen 'Hauptstadt') dauerte exakt zehn Stunden. Die Sleeper-Busse werden in China für lange Strecken eingesetzt und sind ausgestattet mit doppestöckigen Betten, oder besser Liegen, welche die Fahrt etwas bequemer machen sollen.


Die Fahrt ging um 6 Uhr los. Bei Tageslicht kann man noch die schöne Landschaft von Yunnan geniessen. Während der Fahrt gab es zwei Toilettenpausen.  


Jinghong

Jinghong ist das Zentrum der Region Xishuangbanna. Die Stadt ist lange nicht so gross, wie es auf dem Satellitenbild unten den Anschein hat. Man kann alles recht bequem zu Fuss erobern und dabei die wichtigsten Punkte besichtigen. Allerdings ist Jinghong auch eher nur ein Ausgangspunkt für die umliegenden Regionen und nicht das Hauptziel einer Reise nach Xishuangbanna. Durch Jinghong fliesst der Lancang Fluss, eine Nebenfluss des Mekong Flusses.

Und doch ist Jinghong ein sehr interessanter und entspannter Ort. Bis vor ein paar Jahren soll die Stadt noch ein verschlafenes Dorf gewesen sein, bis auch hier ein Bauboom einsetzte und alles modernisiert wurde. Und das sieht man, denn die Stadt ist extrem sauber, die Strassen alle neu und in sehr gutem Zustand und man sieht moderne Geschäfte und z.T. auch internationale Markennamen an allen Ecken. Nicht zuletzt deswegen, weil der Tourismus natürlich eine wichtige Einkommensquelle ist für die ganze Region. Dem grundsätzlichen Charm der Stadt scheint dies allerdings nicht geschadet zu haben.



Manting Park

Im Süden der Stadt liegt der Manting Park, welcher bereits eine über tausend-jährige Geschichte hat. Der Park ist sehr schön und man man findet hier neben einem buddhistischem Tempel auch die sogenannte White Pagoda, die genauso aussieht, wie sie heisst, nämlich: weiss.



Tropischer Botanischer Garten

Im Grunde genommen ist der ganze Süden von Yunnan ein einziger botanischer Garten, jedoch gibt es ungfähr 80 km ausserhalb Jinghong's einen riesigen tropischen Garten, in welchem man die ganze Vielfalt der Pflanzenwelt und Vegetation der Region auf einmal bestaunen kann. Hierbei handelt es sich um ein riesiges Areal von mehreren hundert Quadratkilometern, durch welches man mit kleinen Elektoautos fährt und an verschiedenen Stationen anhält.   



Die Dai

Der Lebensraum der Dai beschränkt sich nicht auf den Süden von Yunnan, sondern erstreckt sich bis nach Laos, Vietnam, Myanmar und Thailand. Die Dai sind in all diesen Ländern beheimatet und sind beispielsweise auch in Vietnam eine anerkannte ethnische Minorität. Der Zusammenhalt untereinander scheint dabei grösser zu sein als die Loyalität gegenüber dem jeweiligen Staat.

Die Dai gehören, neben einigen anderen Minoritäten in Yunnan, zu derselben Volksgruppe wie die Thais, deshalb auch der sehr ähnliche Name. Die Dais sehen auch den Thais sehr viel ähnlicher als den Han-Chinesen. Sie sind im allgemeinen kleiner und zierlicher.  

 

Die Dai sind Anhänger des Theravada-Buddhismus.

Die Dai haben vier verschiedene Schriftsprachen, von denen das Xishuangbanna-Dai eine der vier ist. Die Strassenschilder und Anzeigen in Geschäften und auf Hauswänden sind in der Regel auch immer zweisprachig.

 

Auf dem Strassenschild links sieht man oben über den chinesischen Zeichen die Dai Schrift.


Dai Minoritätendorf

Eine der Sehenswürdigkeiten in Xishuangbanna ist der Besuch eines traditionellen Dai-Dorfes. Ich hatte mich für den Tag einer chinesischen Gruppe angeschlossen und wurde dann durch dieses Dorf geschleust, was leider etwas unbefriedigend war, weil zum einen sehr touristisch und zum anderen den Han-Chinesen auch etwas vorgekaukelt werden sollte. Der Unterschied der beiden Kulturen ist wirklich sehr gross.

 

Natürlich ist die Minoritätenpolitik ein heisses Eisen in China, und insofern war es auch nicht verwunderlich, dass die nette Dai-Frau unserer Gruppe dann auch immer wieder versicherte, wie sehr sich doch die Zentralregierung um das Wohl der Minoritäten kümmere und wie gut es ihnen doch alle heute ginge usw. Vor der Tür hingen u.a. die Bilder von hochrangigen chinesischen Politikern, die das Dorf schon besucht hatten. 

 

Im Bild unten sieht man unsere Gruppe in dem Wohnbereich eines der Häuser. Der Besuch war nicht uninteressant, aber eben mit Vorsicht zu geniessen. 

Die Dai wohnen in recht grossem Holzhäusern, welche auf Stelzen gebaut werden. Unter den Häusern werden oft Tiere gehalten. 


Buddhistische Tempel

Nicht weit von dem Dai Dorf befand sich auch eine wunderschöne Tempelanlage. Von diesen gibt es natürlich in dieser Region sehr viele, aber aus Zeitgründen kann man natürlich nicht alle besichtigen. Wie schon erwähnt glauben die Dais an den sogenannten Theravada-Buddhismus. Dieser ist die älteste Form des Buddhismus und stützt sich auf den Palikanon, die ältesten überlieferten Texte. Die 'Lehre der älteren Mönche' nimmt für sich in Anspruch, die Lehre so zu lehren und zu leben, wie sie schon vom Buddha gelehrt wurde. Diese Form des Buddhismus ist zum Beispiel in Thailand, Burma und Sri Lanka verbreitet.



Water-splashing-Festival

Das richtige Water-Splashing-Festival findet jedes Jahr am ersten Tag des neuen Jahres der Dai statt, und zwar um den 13. bis 15. April herum. Wasser ist im Buddhismus ein Symbol für Reinheit und Heiligkeit. Die Menschen rennen mit Eimern durch die Strassen und treffen sich an den Flüssen der Stadt und spritzten sich gegenseitig nass. Damit wünschen sie sich für das neue Jahr alles Gute. An touristischen Orten wird die Zeremonie auch an regulären Tagen durchgeführt, natürlich nur in einer Mini-version, so wie im Bild oben zu sehen ist (und auch im Blog-Teil dieser Webseite unter Februar 2010). Das Water-Splashing-Festival ist das grösste und wichtigste Fest der Dai und wird im grossen Stil jedes Jahr gefeiert und zieht auch Touristen aus anderen Teilen der Provinz und des Landes an.


Wild Elephant Valley

Etwas Pech hatte ich am nächsten Tag. Auf dem Program stand ein Besuch im Wild Elephant Valley, wo die letzten der rund 250 wilden Elefanten China's im Urwald in freier Wildnis leben. Die Elefanten sind von Aussterben bedroht und werden hier in einem riesigen Reservoir behütet.

Nur kommen die Elefanten leider nur selten aus dem Dickicht des Waldes heraus und ich hatte leider Pech, weil an dem Tag, als ich dort war keine Elefanten zu sehen waren. Sehr schade, denn der Anblick muss wirklich etwas besonderes sein. Das Photo oben habe ich nur am Eingang des Parks machen können. 

Sehr schön aber war die Fahrt mit der Gondel über den Regenwald. Die Fahrt dauerte rund 30 Minuten und man konnte einen sehr schönen Blick von oben geniessen. Zurück konnte man den Weg zurücklaufen oder wieder mit der Gondel runterfahren.


Farbenfroheit auf den Märkten

Auf den Märkten in Xishuangbanna herrscht eine Farenfroheit wie man sie auch sonst nur eher aus Thailand oder anderen Ländern im Süden kennet. Die exotischsten Früchte werde hier angeboten und sind auch für das Auge ein Leckerbissen.


Zurück nach Kunming mit dem Flugzeug

Ich bin am letzten Tag des alten Jahres nach Kunming geflogen und habe ein phänomenal billiges Ticket ergattern können für nur 240 RMB. Nicht schlecht, da konnte ich mir die Fahrt zurück etwas bequemer machen. Den Flughafen in Jinghong kann man locker in den Wettbewerb 'die zehn kleinsten Flughäfen der Welt' schicken. Er ist wirklich sehr übersichtlich, um mal etwas zu untertreiben. Und ganz sicher, dass ich es mit einem ganz besonderen Ort zu tun hatte war ich dann spätestens, als ich auf dem Rollfeld den Namen der Airline lesen konnte, von der ich bis dato noch nichtmal etwas gehört hatte: Lucky Air! Naja, wie schön, da fühlt man sich doch gleich ganz anders :-)

 

Der Aufenthalt in Jinghong war natürlich viel zu kurz. Man bräuchte mehrere Tage oder sogar Wochen, um die Region wirklich zu erkundschaften. Aber es war ein guter Einstieg und dass ich wieder komme ist sicher!