Nordkorea - Teil 1

Die Anreise


Nordkorea ist vielleicht das isolierteste Land auf der Welt und nur wenige westliche Touristen haben diesen totalitären Staat jemals besucht. Insofern ist schon die Boardingkarte von Beijing nach Pjöngjang etwas nicht ganz unbesonderes. Die Reise - in einer Reisegruppe - in die DPRK (Democratic People's Republic of Korea, die Nordkoreaner bevorzugen diese Bezeichnung) begann zufällig am 1. Oktober 2009, dem 60. Jahrestag der Gründung der VR China.


Eine Reise in die DPRK ist in vielerlei Hinsicht eine Reise in die Vergangenheit, und diese Vergangenheit beginnt bereits, sobald man in Beijing am Flughafen das Flugzeug besteigt. Es handelt sich hierbei um eine alte (mindestens 30 Jahre alte) russische Maschine. Die Wände mit muffigen Tapeten beklebt, die Boardelektronik uralt, und ein Lärm und Klappern an allen Enden. Mit einem Glas nordkoreanischem Bier (mehr gab es nicht) geradeso erträglich. Allerding ist das nordkoreanische Bier 'Taedonggang' - und dies hatte ich auch bereits vorher von verschiedenen Seiten gehört - sehr lecker und viel besser als alles, was man in China bekommt. Erster Pluspunkt...


Ankunft am Flughafen von Pjöngjang. Noch kein Bundesklanzler oder amtierender US Präsident hat jemals einen Fuss in dieses Land gesetzt. Erst im Jahr 2008 wurde Nordkorea von der US- Regierung von der berüchtigten Liste der 'Achse des Bösen' gestrichen.

 

 


Vor der Zollkontrolle muss man seine Handys abgeben. Diese bekommt man erst nach der Ausreise wieder zurück. Man könnte sein Handy ja womöglich an einen Koreaner weitergeben, der damit Kontakt ins Ausland aufnehmen könnte! Auf dem Photo sieht man, wie jemand aus unserer Gruppe die Handys kollektiv einsammelt. Es gibt nach Ankunft im Land auch keinen Zugang zu email, internet oder anderen ausländischen Medien und man ist im Prinzip total von der Aussenwelt abgeschnitten. Die einzige Ausnahnme ist, dass man im Hotelzimmer BBC empfangen kann, was uns doch alle etwas gewundert hat...


Arirang Festival (Mass Games)

Nach der Ankunft am Flughafen wurde unsere Gruppe von unseren beiden nordkoreanischen Reiseleitern empfangen und es ging mit dem Bus sofort weiter in das Rungrado-Stadion. Hier finden einmal im Jahr von Juli bis Oktober die sogenannten 'Mass Games' statt. Das Stadion wurde 1989 eröffnet und ist mit einer Kapazität von 150.000 Sitzplätzen das grösste Stadion der Welt.

Das Arirang-Festival ist ein einmaliges Spektakel, was weltweit seinesgleichen sucht. Zu vergleichen ist es wahrscheinlich nur mit der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele, wobei selbst diese wohl in den Schatten gestellt werden. Die Mass Games zeigen die Geschichte Nordkoreas mittels Massentänzen und Massengymnastiken. An der Veranstaltung wirken über 100.000 (!) Menschen mit. In einer präzisen Massenchoreographie werden auf der Rasenfläche Episoden aus der revolutionären Vergangenheit durch Tanz und Akrobatik nachgestellt. Atemberaubend ist auch das, was sich auf der gegenüberliegenden Tribüne abspielt (als Beispiel im Photo oben - die aufgehende Sonne). Dort stehen zehntausende anderer Mitwirkender (es sind alles Schüler), die aus einzelnen farbigen Pappkarten riesige Bilder nachzeichnen, die den Effekt ähnlich einer Großbildleinwand haben. Innerhalb von Sekunden ändert sich diese Bilder wie ein riesiges Mosaik. Die Mass Games sind selbstverständlich eine einzige Propagandaschau. Ein wirklich atemberaubendes Spektakel, wofür die Ausländer allerdings auch recht tief in die Tasche greifen müssen. Ticketpreise liegen zwischen 80 und 300 Euros!


Das Hotel in Pjöngjang

In Pjöngjang gibt es etwa drei internationale Hotels. Unser Hotel, das Yanggakdo Hotel, ist eines der grössten Gebäude in der Stadt und hebt sich mit seinen mehr als 40 Stockwerken von den anderen Gebäuden ab.

 

Das Hotel liegt im Zentrum der Stadt am Ufer des Taedong Flusses. Der Standard des Hotels war recht gut, aber unsere Erwartungen waren im Vorfeld auch allesamt nicht allzu hoch. Der Blick über die Stadt war allerdings wirklich spektakulär, was auch an dem klasse Wetter lag, welches wir während der gesamten Reise hatten. Der blaue Himmel und vor allem die gute Luft war eine regelrechte Wohltat für jene von uns, die in China wohnen. Kein Wunder, denn es gibt in Nordkorea so gut wie keine Industrie und demnach auch so gut wie keine Umweltverschmutzung.

Die vielleicht grösste Einschränkung für Touristen ist, dass man sich im gesamten Land nicht frei bewegen und auch das Hotel nicht ohne Begleitung verlassen darf. Ein Verstoss gegen diese Regel kann für den Reisebegleiter, der für die Gruppe verantwortlich ist, unter Umständen schwerwiegende Konsequenzen haben, weshalb sich auch alle an diese Auflage halten. Mal ganz abgesehen davon, dass es auch so kaum möglich wäre, weil man sowieso ständig unter Aufsicht steht.

 

Abends kann man sich also nur im Hotelzimmer aufhalten oder in der Hotelbar mit den anderen Reisenden treffen (für welche Variante ich mich entschieden habe ist ja wohl klar...). Da sitzt man nun - quasi eingeschlossen in einer Hotelbar in Nordkorea, ohne Pass und Visa (den hat der Reiseleiter), ohne Telefon und Email oder anderen Anschluss an den Rest der Welt....das war für uns alle eine sehr neue Erfahrung! 

 

Es leben auch etwa einhundert Westler in Pjöngjang, die hauptsächlich für die Botschaften arbeiten oder für westliche Hilfsorganisationen. Diese trifft man auch ab und zu in der Hotelbar, da das Wort nightlife in Nordkorea erst noch erfunden werden muss.  So war z.B. der britische Botschafter an unserem ersten Abend auch dort aufzufinden.

 

Unsere Gruppe war recht bunt gemischt, mit insgesamt sechs Deutschen, drei Engländern, einer Irin, einem Spanier, zwei Schweden, einem Dänen, einem Holländer, einer HK Chinesin und einer Afrikanerin.

 

 

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