Nordkorea - Teil 2

Pjöngjang


Der nächste Tag begann mit einer kurzen Stadtbesichtigung.

 

Pjöngjang ist die Hauptstadt und grösste Stadt Nordkoreas und hat zwei Millionen Einwohner. Die Stadt wurde mehrmals durch Kriege zerstört und anschließend wieder aufgebaut. Das moderne Pjöngjang hat zahlreiche Parks und breite Straßenzüge, die von großen Wohnhäusern gesäumt werden. Die vielen durchaus imposanten Plätze und Prachtstrassen sind alle im typischen Sowjetstil gebaut, können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stadt - und in der Tat das ganze Land - wirtschaftlich am Ende ist. Und dieser Eindruck bezieht sich schon auf jene Teile der Stadt, die man überhaupt zu sehen bekommt. Ein Blick hinter die Kulissen wird einem verwehrt und auch der Kontakt zu den Menschen wird strengstens beobachtet und einem in der Regel untersagt. Photos darf man nur nach erteilter Erlaubnis des Reiseleiters machen.

Dass Nordkorea ein ernsthaftes Stromversorgungsproblem hat, sieht man auf den ersten Blick. Nachts ist die Stadt so gut wie schwarz. In den Wohnhäuser gibt es zwar Elektrizität, jedoch fällt der Strom in regelmässigen Abständen immer wieder aus. Die Strassen sind grundsätzlich nicht erleuchtet. Reklametafeln oder Werbung irgendeiner Art findet man in der ganzen Stadt nicht. Das einzige bunte sind die meist roten Propagandaposter und -sprüche an den Strassenrändern und Hauswänden. Autos gibt es noch recht wenige.

 

Pjöngjang ist allerdings eine sehr saubere und grüne Stadt mit vielen Parks und Grünflächen.  


Grand Monument on Mansu Hill

Vor der riesigen Statue vom Kim Il-song am 'Grand Monument on Mansu Hill' muss sich jeder Besucher, inklusive aller Touristen, verbeugen und einen Blumenstrauss niederlegen. In der Tat eine etwas ungewöhnliche Erfahrung!


Kim-Kult

Der Kult um den grossen Kim ist einfach nur bizarr.

 

Ein paar Beispiele: wenn man ein Photo macht von Kim's Statue muss man z.B. darauf achten, dass der ganze Körper abgebildet wird. Es darf kein Körperteil wie Arm oder Beine abgeschnitten werden. Bei der Ausreise werden die Kameras von allen Touristen untersucht und Bilder, die Kim Il-song nicht im besten Lichte darstellen, müssten gelöscht werden. Oder: Zeitungen mit Kim auf dem Titelblatt dürfen nicht gefaltet oder zerknüllt werden. Briefmarken mit dem Bild vom Kim würde man niemals auf einen Brief oder eine Postkarte kleben, da kein Postbeamter es wagen würde, diese Briefmarke mit einem Stempel zu versehen. Und so weiter. Der name KIS wird oft auch mit einem Zusatz wie 'our dear leader' oder 'our great leader' versehen.

 

Das alles für einen Mann, der seit 1994 tot ist...

 

Noch eine Kuriosität: mit der Geburt von Kim Il-song im Jahr 1911 beginnt in Nordkorea auch so etwas wie eine neue, eine parallele Zeitrechnung. Man sieht deshalb ganz oft (wie auf Bild 2), dass neben der eigentlichen Jahreszahl eines Ereignisses, auch die zweite, sozusagen die Kim Il-song Zeitrechnung, angeführt wird. Mein Geburtsjahr 1975 war demnach in der nordkoreanischen Welt das Jahr 64. Auf dem vierten Bild sieht man eines der hunderten von Postern, die auf den 100. Geburtstag vom Kim im Jahr 2011 einstimmen sollen. 

Die Schriften Kims haben in der nordkoreanischen Gesellschaft eine enorme, quasi sakrale Bedeutung. Der Lernstoff an Schulen und Universitäten besteht zu einem großen Teil aus den Werken Kim Il-songs. Oftmals müssen ganze Passagen auswendig gelernt werden. Besonders die Propagierung der sogenannten Chuch'e-Ideologie, die die Autarkie Nordkoreas als oberstes Ziel definiert, ist hervorzuheben. Nordkoreanische Medien feiern Chuch'e als eine selbst dem Leninismus überlegene Ideologie.


Victorius Fatherland Liberation War Museum

Ein paar Photos von unserem Besuch im oben benannten Museum. Eine sehr robuste und resolute Dame mittleren Alters hat uns hier eine politische Aufklärungsstunde gegeben. Die Kalte-Krieg Mentalität kann man überall spüren. Die Feinde sind klar ausgemacht - Südkorea, Japan, und vor allem die imperialistischen Amerikaner.

Die im Krieg abgeschossenen amerikanischen Flugzeuge und beschlagnahmten Waffen kann man in einem anderen Teil des Gebäudes besichtigen.

Eine der entscheidenen Schlachten aus dem Koreakrieg wurde in einem anderen Zimmer nachgebildet.  Die Besucher setzen sich auf eine runde, sich drehenende Plattform, und schauen sich auf einem riesigen dreidemensionalen Schlachtfeld an, wie die Koreaner den Amerikanern das Fürchten gelernt haben.


Die Menschen

Der Kontakt mit den Nordkoreanern wird einem total untersagt. Man bekommt so gut wie keine Möglichkeit, sich mit den Menschen zu unterhalten. Nur mit den Reiseführern und den jeweiligen Führern in den Museen, bzw. den Angestellten der Hotels und Restaurants, kann man mal ein paar Worte wechseln.

 

Photos von den Menschen zu machen ist auch nicht so leicht. Generell sollte man sich vor jedem Photo bei dem Reiseleiter vergewissern, ob man das Photo machen darf. Sogar für uns recht banale Photos von Strassen oder Kreuzungen werden oft nicht gerne gesehen.

 

Auf dem Bild unten - drei junge Koreaner, die uns auf einem Abschnitt der Tour begleitet haben. Sie werden als Reiseleiter ausgebildet. Ein Staat, der seine Menschen einsperrt, einschüchtert und kleinhält, das kann eigentlich nur wütend machen.


Wo ist Dr. No?

Einer der kuriosesten und surrealsten Höhepunkte der Reise war der Besuch in einer Art Museumspark, einem riesigen Areal, in dem sich sechs grosse Gebäude befanden, die jeweils die Errungenschaften des Landes in den verschiedene Bereichen (Leichtindustrie, Schwerindustrie, etc.) zeigen sollten.

Der Park wirkte wie ausgestorben. Ausser uns war kein einziger Besucher dort vorzufinden. Als erstes stand eine Art Planetarium auf dem Programm.

Man fühlte sich wie ein Nebendarsteller in einem alten James Bond Film aus den 70er Jahren. Nachdem man eine riesige Eingangshalle betritt, geht es endlose dunkle Korridore entlang, und man fährt schliesslich mit einem winzigen Fahrstuhl drei Stockwerke hoch in eine weitere schlecht beleuchtete Halle. Eine sehr merkwürdige Atmosphäre. 

Die technischen Apparaturen waren uralt. Wir durften dann auf einer grossen Leinwand die Raketentests und moderne Raumfahrttechnologie der Koreaner bewundern.

 

Dass es genau diese Tests sind, die die ganze Welt in Schrecken versetzt, davon weiss hier niemand etwas. Eine wirklich bizarre Veranstaltung. 

Ein Video von einem Raketenstart.

 


Es folgten weitere (menschenleere) Hallen in den anderen Museen, die jeweils die Schwerindustrie und Leichtindustrie des Landes zum Schwerpunkt hatten. Genauso absurd, genauso kurios. Ein paar Eindrücke...


Hier wurde uns das Stromversorgungsnetz des Landes erklärt. An der schlechten Stromversorgung sind offenbar die Amerikaner Schuld. Die wollen angeblich verhindern, dass Nordkorea zu einem zu mächtigen Land wird.

 

Ein Grund mehr, weitere Atomkraftwerke bauen zu lassen.

 

 

Zu Teil 3