Nordkorea - Teil 3

Akrobatik vom Feinsten


Als nächstes stand eine Akrobatikshow auf dem Programm. Ähnlich wie die Mass Games handelte es sich auch hier um eine Show primär für die Nordkoreaner, und nicht etwa eine extra für ein paar Touristen arrangierte Vorstellung. Die Akrobatik war, wie auch nicht anders zu erwarten, weltspitze, und wahrscheinlich zu vergleichen nur mit den Vorstellungen des russischen und chinesischen Staatszirkus. Neben den eindruckvollen Darbeitungen war es aber wie immer mindestens genauso interessant, die 'locals', die Leute im Publikum, zu beobachten. Dieses bestand zu einem grossen Teil aus in Militäruniform gekleideter Leute (Photos von diesen waren ja leider untersagt) und ein paar 'normalen' Koreanern, die dem Anschein nach jedoch etwas besser gestellt waren. Wir immer wurden wir, die Handvoll Ausländer, jeweils vor und nach der Show - sorgfältig von den Einheimischen getrennt - in die Arena und nach der Vorstellung aus der Arean geführt. Kontaktmöglichkeiten gab es nicht.

 

An dieser Stelle möchte ich aber noch erwähnen, dass die Nordkoreaner uns trotz der Isolierung und Entfremdung und Armut nie (weder hier, noch auf der Strasse, während der Mass Games oder in der U-Bahn) komisch angesehen oder sogar angestarrt hätten (man denke hier nur mal an China in den 80 und 90er Jahren!) Ich musste oft daran denken, was man uns bereits vor der Tour gesagt hatte, nämlich dass die Koreaner, im Süden wie im Norden, im allgemeinen ein extrem stolzes Volk sind. Diesen Eindruck habe ich genauso mitnehmen können. Trotzdem, wir befanden uns zu jederzeit - trotz der Nähe - auf einem anderem Planeten.    


Pjöngjang Metro: die tiefste U-Bahn der Welt

Die Metro in Pjöngjang ist die tiefste U-Bahn der Welt und liegt ungefähr 110 Meter unter der Erde. In Kriegszeiten können die Stationen und Schächte auch als Bunker genutzt werden, was auch deren Tiefe begründet.

 

Es gibt nur zwei Linien. Der Bau der U-Bahn begann im Jahr 1969 und wurde 1973 fertiggestellt, weitere Stationen folgten in den darauffolgenden Jahren.  Die Stationen sind nicht wie normalerweise üblich nach den Orten der Stationen benannt, sondern nach Epochen der revolutionären nordkoreanischen Geschichte wie z.B 'Construction', 'Sacrifice in Battle', 'National Foundation', 'Glory', usw. 

Als Vorbild für die Stationen dienten die U-Bahnen in Moskau und Peking.  Die Wände sind verziert mit Bildern mit sozialistischen geprägten Motiven. Die Züge sollen teilweise aus Ost-Berlin stammen und nach dem Fall der Mauer direkt wieder hier zum Einsatz gekommen sein. Wir sind dann auch mit der rechten Bahn (im Bild unten) eine Station gefahren.


The Pueblo Incident

Zu einem nicht so bekannten, aber trotzdem spektakulärem Ereigniss des Kalten Krieges zählt das sogenannte 'Pueblo Incident' aus dem Jahr 1968. Die USS Pueblo ist ein amerikanisches Aufklärungsschiff, welches im oben genannten Jahr vor der Küste Nordkoreas durch die nordkoreanische Marine aufgegriffen und gekapert und anschliessend in Besitz genommen wurde. Dies führte damals zu einer ernsthaften Konfrontation mit den USA.

 

Die USS Pueblo liegt heute als Museumsschiff und Art Ausstellungsstück im Hafen von Pjöngjang. Es ist bis heute das weltweit einzige Schiff der US-Marine, welches sich in den Händen einer fremden Macht befindet.

Die USS Pueblo im Hafen von Pyongyang
Die USS Pueblo im Hafen von Pyongyang

Ob sich, wie die amerikanische Seite stets behauptet hat, das Schiff in internationalen Gewässern aufhielt, oder in der Tat zu spionagezwecken in das nordkoreanische Hoheitsgebiet vorgedrungen ist, ist nur schwer zu beurteilen.

 

Nach der Aufgreifung wurde die 88 Mann-starke Besatzung (ein amerikanischer Soldat wurde erschossen) anschliessend in den nordkoreanischen Hafen Wonsan gebracht und für elf Monate gefangengehalten und laut eigenen Angaben misshandelt und gefoltert. Die Mannschaft wurde schliesslich dazu gezwungen, ein Schuldeingeständniss zu verfassen und zu unterzeichnen. Auch der damalige Präsident Johnson musste eine öffentliche Entschuldigung verfassen und die amerikanische Schuld eingestehen. Dazu kam, dass dieser auch eine Zusicherung geben musste, dass die USA in Zukunft keine Spionage mehr in Korea betreiben würde. All dies kam einer Erniedrigung für die amerikanische Regierung gleich, die jedoch das Leben der Besatzung (oder sogar mehr) nichts auf's Spiel setzten wollte und zur selben Zeit sowieso in Vietnam alle Hände voll zu tun hatte.

Der Maschinenraum
Der Maschinenraum

Das Schiff ist seit den 60er Jahren eine der Hauptattraktionen der Stadt (zumindest aus koreanischer Sicht) und gilt als fester Bestandteil einer jeden Tour.

 

Für die Nordkoreaner war das Aufgreifen der USS Pueblo damals wie ein Sechser im Lotto, ein riesiger Glücksgriff, und wurde monatelang ausgeschlachtet. Bis heute wirkt das Schiff wie eine riesengrosse Trophae, die der Bevölkerung vor allem zwei Dinge zeigen soll, erstens, dass die Amerikaner den Nordkoreanern gegenüber feindlich eingestellt sind und damals wie heute eine imperialistische Macht sind, und zweitens, dass die Nordkoreaner sich dieser entgegenstellen können.

 

Auf dem Schiff wird dann allen Besuchern auf einem kleinen schwarz-weiss Bildschirm auch ein kurzer Film mit Originalaufnahmen gezeigt, der die koreanische Version dieses Ereignisses beschreibt.


Kim Il-song Platz

Südlich des Mansu-Hügels liegt der riesige Kim Il-song-Platz. Die Fläche beträgt 75.000 Quadratmeter. Der Platz wurde 1954 errichtet und dient vor allem für Paraden und Aufmärsche. Es war erstaunlich, wie wenige Menschen auch hier vorzufinden waren. Man lässt sich als Besucher gerne immer wieder von der wirklich wunderschönen Fassade blenden und muss sich regelmässig in den Arm zwicken um nicht zu vergessen, wo man sich gerade befindet, und von was für einem beschissenen Regime dieses Land geführt wird.  

 

Im zweiten Bild sieht man im Hintergrund den grossen Chuch'e-Turm.


Chuch'e-Turm

Am östlichen Taedong-Ufer steht der im Jahr 1982 zum 70. Geburtstag Kim Il-songs feierlich enthüllte 170 Meter hohe Chuch'e Turm. Der Turm sieht aus wie eine riesige Fackel. Vor dem Turm steht eine 30 Meter hohe Drei-Personen-Gruppe, die das Parteiemblem trägt, das aus Hammer, Sichel und Pinsel besteht. Von der Aussichtsplattform kann man einen spektakulären Blick über die Stadt geniessen.


Triumphbogen

1982 wurde neben dem Chuch'e Turm ein weiteres Wahrzeichen der Stadt eingeweiht - der Triumphbogen. Er ist 60 Meter hoch und damit - wen wundert es - drei Meter höher als sein Pariser Vorbild. Er dient der Versinnbildlichung der heroisierten Rückkehr des Generals Kim Il-sung vom siegreichen Kampf um die Befreiung des Landes von den Japanern.