Nordkorea - Teil 4

Fahrt nach Kaesong


Als nächstes stand eine etwa drei-Stunden Busfahrt von Pjöngjang nach Kaesong an. Kaesong ist die fünftgrößte Stadt Nordkoreas mit 338.155 Einwohnern. Sie liegt unmittelbar an der Grenze zu Südkorea.

 

Sobald man aus Pjöngjang raus ist (geht sehr schnell!) fährt man die ganze Zeit durch wunderschöne Landschaften und Natur. Industrie sieht man so gut wie kaum.


Kaesong - alte Hauptstadt

Vom 10. bis zum Ende des 14. Jahrhunderts war Kaesong mit kurzen Unterbrechungen die Hauptstadt des koreanischen Königreichs Goryeo (der Name Korea wurde hieraus abgeleitet). Heute ist sie Industriestadt, Verkehrsknoten und Kulturzentrum mit Universitäten, Theater und Museen. Nach dem Zweiten Weltrieg waren die Amerikaner hier stationiert, da die Stadt südlich der Demilitirized Zone (DMZ) lag und damit ein Teil Südkoreas war. Während des Koreakrieges fanden hier die Waffenstillstandsverhandlungen statt. 1951 besetzte Nordkorea das Gebiet.

 

Da die Stadt den Krieg weitgehens unbeschadet überstand, konnte sie ihren ursprünglichen alten und traditionellen Charakter bewahren.

Das Grab von König Kongmin, dem 31. König der Koryo Dynastie.


Traditionelles Hotel in Kaesong

In Kaesong übernachteten wir eine Nacht in einem traditionellen koreanischen Hotel auf einem Strohbett auf dem Boden. Jeder hatte seine eigenes kleines Haus mit kleinem Schlaf- und Wohnbereich. Zum Glück hatte ich eine Taschenlampe eingesteckt, da am Abend der Strom immer wieder ausfiel und es stockdunkel war.


Der Koreakrieg

Der Koreakrieg war eine Auseinandersetzung zwischen Nordkorea zusammen mit China auf der einen Seite und Südkorea zusammen mit der UNO und vor allem den USA auf der anderen Seite. Der Krieg wurde am 25. Juni 1950 begonnen, und beide Parteien eroberten wechselseitig beinahe die gesamte koreanische Halbinsel. Letzten Endes führte er wieder zu den Ausgangspositionen zurück, zementierte aber die Teilung Koreas. Dabei wurde fast die gesamte Industrie des Landes zerstört und die Zivilbevölkerung erlitt große Verluste. Er endete am 27. Juli 1953 mit der Unterzeichnung eines Waffenstillstandabkommens. Ein Friedensvertrag wurde bis heute nicht abgeschlossen.

 

Der Krieg forderte unter der Zivilbevölkerung nach Schätzungen fast 3 Millionen Menschenleben. Circa 40.000 UN-Soldaten (davon 36.000 Amerikaner), 600.000 koreanische und 673.800 chinesische Soldaten starben bei Kampfhandlungen.

450.000 Tonnen an Bomben wurden vor allem von der US Air Force abgeworfen, darunter allein zwischen Juni und Ende Oktober 1950 insgesamt 3.281.270 Liter Napalm. Dies ist ein Vielfaches der im Vietnamkrieg eingesetzten Menge und war wesentlich verheerender, da in Nordkorea mehr Ballungszentren mit größerer Bevölkerungsdichte und mehr Industrie als später in Vietnam existierten.


Die inner-koreanische Grenze und Besuch in der DMZ

1953 wurde eine demilitarisierte Zone (DMZ) eingerichtet, die bis heute die beiden Staaten teilt. Sie verläuft von West-Südwest nach Ost-Nordost quer über die Halbinsel, wobei sie nördlich Seouls den 38. Breitengrad schneidet, der bis zum Kriegsausbruch die Grenze zwischen beiden Staaten bildete. Die DMZ ist 248 km lang und ungefähr 4 km breit, zwei Kilometer auf jeder Seite. In ihrer Mitte verläuft die Militärische Demarkationslinie (MDL), de facto die Grenze
zwischen beiden koreanischen Staaten. Die DMZ wird von der aus Vertretern beider Seiten bestehenden Waffen-stillstandskommission MAC (von engl. Military Armistice Commission) verwaltet.

 

Die inner-koreanische Grenze ist die am best-bewachteste Grenze der Welt und aufgrund einer großen Anzahl von Landminen, Panzersperren und Stacheldrahtzäunen von Menschen weitgehend unberührt. Umso grösser war unser aller Erstaunen darüber, dass wir in diese DMZ fahren durften und dies alles aus nächster Nähe bestaunen durften! Etwas ganz besonderes! 


Besuch in Panmunjeom (DMZ)

In der DMZ befindet sich der Ort Panmunjeom, an dem 1953 der
Waffenstillstandsvertrag unterschrieben wurde. Panmunjeom ist auch das
Hauptquartier der Waffenstillstandskommission MAC. Seit dem Ende des Koreakrieges haben dort wiederholt Verhandlungen zwischen beiden Seiten stattgefunden.

 

Ein paar Worte zu dem folgenden Bild. Das ist die Grenze zwischen Nord- und Südkorea. Das Gebäude im Hintergrund steht im Süden. Das fast exakte Gebäude muss man sich hinter mir vorstellen. In der Mitte auf dem Platz verläuft ein Balken, der die Grenze markiert. Dieser Balken verläuft auch durch die in der Mitte stehenden kleinen blauen Barracken.   

Dieses Bild habe ich in einer der blauen Hütten gemacht. Man kann hier praktisch zwischen dem Norden und Süden hin-und hergehen. Die hintere Tür führt nach Südkorea, und wird auch oft von der südkoreanischer Seite genützt. Es ist wirklich bizarr, es scheint eine zeitliche Aufteilung zu geben. Am Vormittag dürfen die Nordkoreaner das Haus benützen, am Nachmittag die Südkoreaner!

 

Niemals hätte ich damit gerechnet, dass man uns so etwas zeigen würde.

Die Waffenstillstandsverhandlung in dem gleichen Raum, den ich oben betreten habe. Man achte auf die kleine Flaggen an der Wand im Hintergrund, welches auf beiden Bildern zu sehen ist. Es handelt sich hier um ein Bild, welches die Nationen zeigt, die auf auf südkoreanischer Seite am Krieg teilgenommen haben.

 

Der letze Hotspot des Kalten Krieges. Näher kommt man nicht ran.

Bild unten - ich stehe hier im hinteren Teil der Barracke und somit offiziell auf südkoreanischem Boden (!!!!!!!!!!!!!!!!!) und nehme durch das Fenster die nordkoreanischen Soldaten auf. Der Balken auf dem Boden ist die Grenze. Es sieht so einfach aus, doch würde man beim versuchten Übertreten dieser Balken sofort erschossen werden. 

Die Grenze im Jahr 1953. Ein Abbild eines Photos, welches aus wahrscheinlich demselben Ort, an dem ich mein Photo gemacht habe, gemacht wurde.

 

Die beiden feindlichen Seiten stehen sich nach Unterzeichnung des Abkommens gegenüber. Auf der linken Seite die Amerikaner, auf der rechten die Nordkoreaner.

 

 

Zu Teil 5